Tausendsassa mit Herz

Kriminalbeamter und Vereinsvorsitzender: Ulrich Scholle wird 60 Jahre alt

Von Mario Heinicke
Ulrich Scholle (vorn rechts) bekam gestern Vormittag Glückwünsche zum 60. Geburtstag von Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ und Ordnungsamtsleiter Rüdiger Brandt (vordere Reihe) sowie seinen diensthabenden Kollegen Gerd Lohse, Dietmar Hartwig, Bernhard Sievers und Jan Großhenning (hinten von links).

Ulrich Scholle (vorn rechts) bekam gestern Vormittag Glückwünsche zum 60. Geburtstag von Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ und Ordnungsamtsleiter Rüdiger Brandt (vordere Reihe) sowie seinen diensthabenden Kollegen Gerd Lohse, Dietmar Hartwig, Bernhard Sievers und Jan Großhenning (hinten von links). | Foto: Mario Heinicke

Er ist ein Tausendsassa mit Herz, steht zwei Großvereinen vor, organisiert Hilfstransporte, ist beruflich Straftätern auf der Spur. Am gestrigen Mittwoch ist der Osterwiecker Ulrich Scholle 60 Jahre alt geworden.

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Osterwieck l Ein Bonusjahr hat er noch genehmigt bekommen. Bisher sind alle in Osterwieck tätigen Polizeibeamten mit ihrem 60. Lebensjahr pensioniert worden. “Mir macht es auch mit 60 noch Spaß”, sagt er. Und es reizt ihn, noch den einen oder anderen offenen Fall zu lösen.

Seit 13 Jahren ist der Kriminalhauptmeister in Osterwieck tätig. Mit seiner Ortskenntnis wurde er für diese Stelle, die damals eingerichtet wurde, ausgewählt. Zeitweise saßen bis zum drei Kriminalbeamte hier. “Wir haben verschiedene Serienstraftaten geklärt.” Zurzeit sind es zwei Kriminalisten, ab Sommer ist Scholle allein. 2014 bearbeiteten sie 800 Vorfälle im Bereich Osterwieck, Huy bis Schwanebeck.

Privat immer für einen Spaß zu haben: Beim Reformationsfest am Wochenende mimte Ulrich Scholle den Störenfried und ließ sich von der historischen Bürgerwehr abführen.

Privat immer für einen Spaß zu haben: Beim Reformationsfest am Wochenende mimte Ulrich Scholle den Störenfried und ließ sich von der historischen Bürgerwehr abführen. | Foto: Mario Heinicke

Ulrich Scholle ist erst zur Hälfte seiner 60 Lebensjahre Osterwiecker geworden. Geboren in Berlin, durch die berufliche Tätigkeit seiner Eltern oft umgezogen, landete er als Lehrling in Halberstadt. Er wurde Fahrzeugschlosser und ging dann zehn Jahre zu den Luftstreitkräften nach Peenemünde. 1984 wurde Osterwieck seine Heimat. Anneliese Scholle, seine Mutter, war hier seit 1973 Bürgermeisterin, sein Vater arbeitete als Lehrer.

1984 begann auch Ulrich Scholles Polizeidienst. Erst in Halberstadt, dann folgte ein Studium, 1988 wurde er Nachfolger von Egon Schwarzbach als ABV. Die Nachwendezeit führte ihn wieder nach Halberstadt – zur Kripo. Dort bearbeitete er u. a. Drogendelikte, Sonderfälle und bildete junge Kriminalisten mit aus.

“Notruf Ukraine – Polizisten helfen” heißt ein Verein, der Hilfstransporte für die Menschen in Osteuropa organisiert und dem heute längst nicht mehr nur Polizisten angehören. Ulrich Scholle war 2002 dessen Gründungsvater und ist heute der Vorsitzende von 146 Mitgliedern. Erst am Wochenende beim Osterwiecker Reformationsfest hatte sich der Verein wieder eingebracht.

Voriges Jahr kam noch ein Vereinsvorsitz hinzu – beim Schützenverein in Hoppenstedt, dem Ort, in dem Scholles zwischendurch einige Jahre gewohnt haben. Knapp 100 Mitglieder zählt dieser Verein. Ulrich Scholle hat also keine Sorge, dass er mit seiner Pensionierung in einem Jahr im Schaukelstuhl ruhen wird.

Aus dem Osterwiecker Rathaus kam gestern am Geburtstag gleich eine größere Delegation zum Gratulieren ins Polizeigebäude über den Markt. Als Anerkennung für die gute Zusammenarbeit, wie Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (Buko) betonte. Zum einen auf das dienstliche Miteinander bezogen, zum anderen auf das ehrenamtliche Engagement als Privatperson und Vereinsvorsitzender für die Stadt. So bringt sich Ulrich Scholle auch in die Organisation des Osterwiecker Weihnachtsmarktes ein.

Happy Birthday

Lieber Uli,

Herzlichen Glückwunsch zum 60. von Deinem Verein.

Gesundheit und viel Schaffenskraft sollen Dich auf deinem weiteren Weg begleiten.Alles Liebe und Gute von Deinen Mitgliederinnen und Mitgliedern.

Der Vorstand

Ukrainische Ärzte sind zu Gast im Harzklinikum Wernigerode

Verein organisiert Hilfstransport in osteuropäisches Land / Medizinisches Gerät und Mobiliar werden für Krankenhaus nahe Lwiw gespendet

Von Katrin Schröder
Chefarzt Dr. Dieter Haessner (3. von links) zeigt Dr. Eugeniusz Pod-hrebelny (links) und weiteren Kollegen aus der Ukraine den Linearbeschleuniger der Klinik für Strahlentherapie.

Chefarzt Dr. Dieter Haessner (3. von links) zeigt Dr. Eugeniusz Pod-hrebelny (links) und weiteren Kollegen aus der Ukraine den Linearbeschleuniger der Klinik für Strahlentherapie. | Foto: Katrin Schröder

Wernigerode l Die vier Männer betrachten die Liege, über die ein weißes Tuch gebreitet ist. Diese dient Krebspatienten, die mit dem Linearbeschleuniger behandelt werden, erklärt Dr.Dieter Haessner, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie am Harzklinikum Wernigerode. Die Besucher haben einen weiten Weg hinter sich. Die vier Ärzte aus der Ukraine haben drei Tage lang Wernigerode besucht, am Wochenende sind sie zurückgefahren – mit einem Hilfstransport, den der Verein “Notruf Ukraine” organisiert hat.

15 Tonnen Hilfsgüter, die zum großen Teil vom Harzklinikum gespendet wurden, bringen die Helfer in das Kreiskrankenhaus Sambir, etwa 75Kilometer von der Bezirkshauptstadt Lwiw (Lemberg) und rund 40 Kilometer von der Grenze zu Polen entfernt. In dem 330-Betten-Haus fehlt es vor allem an medizinischem Gerät, erklärt Chefarzt Eugeniusz Podhrebelny, “Wir haben Kopf und Hände und eine gute Ausbildung, aber nicht die nötige Ausrüstung. Dafür fehlt in unserem Land das Geld.”

Zusammen mit seinen Kollegen Volodymur Kostrytckyi, Mukolo Kyundua und Andriy Podhrebelny hat der Spezialist für Ultraschalldiagnostik einen Rundgang durch das Wernige röder Klinikum unternommen. Etwa 100 Patienten werden täglich in der Klinik behandelt, berichtet der Chefarzt. “Bei uns liegen die Zahlen höher, bedingt durch Tschernobyl”, sagt Podhrebelny. Chefärztin Chitra Königsmark führt die Gruppe dann durch das Zentrallabor, mit denen mehr als drei Millionen Untersuchungen pro Jahr vorgenommen werden.

Zuvor wurden schon die Hilfsgüter für den aktuellen Transport verladen – vor allem Medizintechnik, Betten und Mobiliar. Die Mediziner wählten aus, was am dringendsten gebraucht wird – “damit wir zielgerichtet helfen können”, sagt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Holger Oppermann. Das Klinikum stelle gern Spenden bereit. “Es ist gut, wenn man mit verlässlichen Partnern zusammenarbeiten kann”, so Sprecher Tom Koch. Am Sonnabend sind die Helfer Richtung Osten aufgebrochen – mit Zwischenstopp im polnischen Oswiecim (Auschwitz), wo eine Übernachtung und ein Besuch des Konzentrationslagers geplant waren.

Wir sind zurück

Abschiedsfoto mit unseren Gastgebern und Ärzten aus Sambir

Der 6. Hilfstransport nach Sambir ist zu Ende.Eine Woche lang waren 9 Mitglieder unseres Vereins unterwegs um die Hilfsgüter für das Krankenhaus in Sambir zu überbringen.Auf 2 Transportern und einem großen LKW waren die Hilfsgüter verstaut.Die Hilfsgüter konnten wir direkt im Krankenhaus abladen.Ein Zöllner überwachte die Entladung vor Ort.Viele fleißige Helfer waren beim Entladen dabei und staunten nicht schlecht,wie viel Material auf einen LKW passte.Diese Hilfsgüter werden in Zukunft die Behandlung und Unterbringung der Patienten verbessern.Es wird nicht der letzte Transport dieser Art sein,denn der Nachholebedarf ist sehr hoch.Mit Stolz können wir auf die bisher geleistete Arbeit zurück blicken.An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Mitglieder,die diesen Transport begleitet haben.Weiterhin möchten wir uns ganz herzlich bei unseren Sponsoren bedanken,die durch die Bereitstellung der Fahrzeuge diese Transporte erst ermöglichen.                                                                           Andre Hofmann stellte den LKW,(DAF Niederlassung Barleben),                                                                                 der Brockenwirt,Herr Steinhoff stellte den VW Caddy und                                                                                           das Ford Autohaus Wölfer aus Königerode stellte wie jedes Jahr einen Transporter kostenlos zur Verfügung.         Vielen Dank.

einige Impressionen vom Enladen des LKW`s

Udo beim Entladen

Hochwertige Geräte werden entladen

benötigte Betten

hochwertige Technik

Ladelisten werden abgestempelt

Dankeschön beim Autohaus Wölfer

 

Hilfstransport nach Sambir

das Organisationsteam

Chefarzt Jewgeni Podgreblny, Dolmetscher Wanja
Seglejtschuk, 
Schatzmeister Holger Greulich und Vereinschef Ulrich Scholle
kontrollieren die Verladeliste, während viele fleißige Helfer den
Sattelschlepper beladen. Foto: Gerald Eggert
Ulrich Scholle: "Bedarf weiterhin sehr groß"

Verein „Notruf Ukraine -Polizisten helfen“ schickt sechsten Hilfstransport nach Sambir Heute morgen verläßt ein mit 40 Tonnen Hilfsgütern beladener Sattelschlepper dieKreisstadt. Begleitet wird er von neun Mitgliedern des Vereins „Notruf Ukraine- Polizisten helfen“. Ziel ist das Krankenhaus in Sambir in der Westukraine. Reges Treiben herrschte am Donnerstag und Freitag im Lager des Vereins „Notruf Ukraine – Polizisten helfen“. Auf dem Hof war ein Sattelschlepper vorgefahren, dessen riesige Ladefläche es zu füllen galt unter anderem mit 20 Pflegebetten, Möbeln,Medizintechnik, medizinischem Verbrauchsmaterial und Bettwäsche.Damit vor allem jene Güter verladen wurden,die im Krankenhaus Sambir am Dringendsten benötigt werden, war extra ein Ärzteteam unter Leitung von Chefarzt Jewgeni Podgreblny nach Halberstadt gekommen und traf vor Ort die Auswahl.Obwohl es schon der sechste Transport ist, der in die westukrainische Stadt in der Nähe von Lwow fährt, ist in dem Krankenhaus, in welchem 330 Patienten stationär betreut werden können, noch immer großer Bedarf an sehr vielen Dingen.Unsere neue frei gewählte Regierung möchte den medizinischen Bereich reformieren“, so Podgreblny, „allerdings reichen die finanziellen Mittel nicht aus, so dass wir auf die Hilfe aus Deutschland angewiesen sind und diese gern annehmen.“ Der Halberstädter Verein habe in den vergangenen Jahren sehr große Unterstützung gegeben, den Standard in den einzelnen Abteilungen wesentlich zu verbessern. Wir sind sehr dankbar. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut“, so der Chefarzt, „wir haben wirklich großes Glück, dass wir diesen Kontakt haben. Durch die Transporte konnten schon sehr viele alte Einrichtungsgegenstände und Geräte ausgetauscht werden. Diesmal soll vor allem die Hals-, Nasen- und Ohrenklinik davon profitieren.“Bei unseren Besuchen in Sambir haben uns die Ärzte voller Stolz präsentiert, was sich dank unserer Lieferungen im Krankenhaus verbessert hat. Sie haben uns gezeigt, dass sie damit richtig arbeitsfähig sind und den Patienten helfen können“, berichtet Vereinsvorsitzender Ulrich Scholle, „wir haben aber auch mit eigenen Augen sehen können, dass noch vieles im Argen ist.Deshalb werden wir sicher auch weiterhin gebraucht.“ Es fehle eigentlich an allem, unterstreicht er, um in dem Krankenhaus und seinen drei Außenstellen die medizinische Versorgung für 114 000 Einwohner sicher zu stellen. Dem Personal bescheinigt Scholle großes Engagement: „Die Ärzte, Pfleger und Schwestern tun wirklich alles im Interesse der Patienten. Und das unter wirklich schwierigen Bedingungen. So haben die Ärzte schon zwei Monate keine Gehälter mehr bekommen, wie wir gerade erfahren haben.“Nachdem das Ärzteteam beim letzten Besuch sich im Halberstädter Ameos-Klinikum umschauen und mit Kollegen sprechen konnte, war es diesmal im Wernigeröder Harzklinikum zu Gast. Aus diesen und anderen regionalen Einrichtungen stammen viele der Hilfsgüter, die Richtung Ukraine auf die Reise gingen bzw. gehen. Die 40-Tonner wurde bis dicht unter die Plane beladen, jeder kleine Raum wurde ausgenutzt, um möglichst viel mitnehmen zu können. Neun Mitglieder des Vereins sind in zwei Begleitfahrzeugen mit dem Sattelschlepper mit unterwegs. An der Grenze von Polen zur Ukraine will das Ärzteteam aus Sambir bei der Erledigung der Zollformalitäten helfen. Denn es soll zügig gehen. „Die Papiere sind vollständig. Also dürfte die Abfertigung nicht sehr lange dauern“, so Scholle,der auch anderes kennt. Er erinnert daran, dass vorhergehende Transporte schon über viele Stunden, ja sogar einen ganzen Tag an der Grenze stehen mussten. Nach einer Woche werden die Begleiter zurück sein in Halberstadt. „Ich wünsche Euch eine störungsfreie Fahrt. Grüßt unsere Freunde und kommt alle gesund wieder“, verabschiedete Vereinschef Ulrich Scholle die Begleitmannschaft. --

Gerald Eggert Journalist

 

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