Zwei Vereine – eine gemeinsame Aufgabe

Vorharzer und Hildesheimer helfen kranken Menschen in der Ukraine

„Wir sind sehr froh, dass wir hierher kommen und aussuchen dürfen, was
in der Ukraine dringend benötigt wird“, sagt Rita Limmroth beim Besuch
des Lagers vom Verein „Notruf Ukraine – Polizisten helfen“. Mit wir
meint sie nicht nur die „Aktion Tschernobyl-Hilfe Hildesheim“, deren
Vorsitzende sie ist, sondern vor allem die drei sie begleitenden
ukrainischen Mediziner.
„Es sind so viele gute Sachen, die bei den Empfängern gute Dienste
leisten werden“, betont die engagierte Frau und freut sich über die
Zusammenarbeit beider Vereine, dank der man in der humanitären Hilfe
sehr viel mehr erreichen könne. Ihr Verein widmet sich Menschen, die
unmittelbar oder mittelbar durch die Nuklearkatastrophe im Kernkraftwerk
bei Tschernobyl im Jahre 1986 erkrankt oder in Not geraten sind. Doch
nicht nur betroffene Familien werden unterstützt, sondern
Kindergebietskrankenhaus in Lutsk. „Wir haben uns zur Aufgabe gemacht,
Abteilung für Abteilung so auszustatten, dass den kleinen Patienten so
gut wie möglich geholfen wird“, sagt sie und reißt kurz an, was sie bei
mehreren Besuchen vor Ort erlebt hat, wer das nicht selbst gesehen hat,
wird es kaum glauben.“ Es liege ihrem Verein sehr viel daran, Kindern zu
helfen, Kinder zu retten.
„Diese gute Absicht will unser Verein gern unterstützen“, betont Ulrich
Scholle vom „Notruf Ukraine – Polizisten helfen“. Deshalb werde nicht
zum ersten Mal etwas aus dem Bestand abgegeben. Mit Freude verfolgt der
Vereinsvorsitzende, wie die HNO-Ärzte Dr. Ruslan Zhylenko und Dr. Igor
Kuzmyck sowie Prof. Borys Myroniuk vom HNO-Institut Kiew gemeinsam mit
Rita Limmroth im Vereinslager Geräte und Verbrauchsmaterial
zusammenstellen, von dem etwas gleich mit in die Ukraine genommen, das
meiste aber Ende Oktober auf einem 40-Tonner aus Hannover hinzu geladen
werden soll, der dann gen Osten rollt.
Beim letzten Transport wurden vor allem Betten hinzu geladen. Diese
werden inzwischen in der Orthopädie und auf der Intensivstation genutzt.
Weitere Betten, medizinisches Gerät und Verbrauchsmaterial sollen den
nächsten Hilfstransport ergänzen. „Wenn wir von unserem Bestand abgeben,
gefährden wir durchaus nicht unsere eigenen Aktionen für die Ukraine“,
so Scholle. Leider musste der für Mitte September geplante Transport
nach Sambir kurzfristig abgeblasen werden, weil keine Zollbefreiung
erteilt worden war, bedauert er. „Die Vorbereitungen waren so gut wie
abgeschlossen. Einige Mitglieder hatten ihren Urlaub für die Begleitung
verplant. Die dringend benötigten Hilfsgüter bleiben im Lager und werden
zu einem späteren Termin auf die Reise geschickt.“
Bei der Übergabe von je einem Defibrillator für die Kinderklinik und für
Infektionsklinik, in der viel an Krebs und Meningitis erkrankte Kinder
behandelt werden, bedankte sich Dr. Ruslan Zhylenko im Namen des
Personals der Klinik und der Patienten für die Hilfe. Er und mehrere
seiner Kollegen hospitieren derzeit in Krankenhäusern von Hannover und
Hildesheim.
„Wir kümmern uns um die Aus- und Weiterbildung der Mediziner“, berichtet
Rita Limmroth, „sie hospitieren bei deutschen Kollegen und eignen sich
Wissen an, was für die Bedienung der hochwertigen medizinischen Geräte
aus Deutschland notwendig ist. Sie reisen nicht nur qualifiziert,
sondern auch motiviert zurück.“ Schon zweimal hätten Orthopäden und
Chirurgen hospitiert und können mit den Geräten umgehen, die sie
bekommen haben. Das wiederum hat die Mediziner bestärkt, aus eigener
Kraft einen Klinikaufbau fertig zu stellen, der vor Jahren begonnen und
in den Zeiten des Umbruchs unvollendet liegen geblieben war. Dort wird
die Geburtenabteilung und Gynäkologie eingerichtet. „Und auch hier
meldet sich neuer Bedarf an“, so die Hildesheimerin, „unter anderem
werden gynäkologische Stühle und Wickeltische benötigt.“ Es bleibe also
noch genug zu tun.


Ingolf Mettig, Prof. Borys Myroniuk, Ulrich Scholle, Dr. Ruslan
Zhylenko, Dr. Igor Kuzmyck und Rita Limmroth (von links) bei der
Übergabe von zwei Defibrillatoren. Foto: Gerald Eggert

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