Harzer Verein schickt 40-Tonner-Lkw mit medizinischem Gerät in das osteuropäische Land

Volksstimme 16.06.15

Schnelle Hilfe für Menschen im südukrainischen Cherson

In Deutschland entladen, wäre der Lkw normalerweise leer zurückgefahren. Nun bringt er Hilfsgüter aus Halberstadt in die Ukraine.

In Deutschland entladen, wäre der Lkw normalerweise leer zurückgefahren. Nun bringt er Hilfsgüter aus Halberstadt in die Ukraine. | Foto: Gerald Eggert

Halberstadt (geg) l Viele Helfer packten zu und füllten in wenigen Stunden einen 40-Tonner bis unter die Decke des Laderaumes. Die Pflegebetten, medizinischen Geräte und Verbrauchsmaterialien sowie Nähmaschinen und andere dringend benötigte Gerätschaften hatte Olga Tape zuvor im Lager des Vereins „Notruf Ukraine – Polizisten helfen“ ausgewählt. Auch das beschleunigte den Verladevorgang.

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Die Vorsitzende des Vereins „Reavita“ war auf die Internetseite des Halberstädter Vereins gestoßen und hatte telefonisch Kontakt aufgenommen. Ihrer Bitte um Hilfe folgte sogleich eine positive Reaktion. Die gebürtige Ukrainerin lebte 25 Jahre in Deutschland, verfolgte in der jüngsten Vergangenheit die Entwicklungen in ihrer Heimat mit Sorge und entschied sich, zurückzukehren, vor Ort zu helfen und dafür auch ihre deutschen Sprachkenntnisse und Kontakte zu nutzen. „Ich habe mir trotz der unsicheren Lage im Land ein Bild gemacht und mit meinem Verein abgestimmt, wo dringende Hilfe notwendig ist. Und auch, wo man durch Hilfe zur Selbsthilfe viel bewegen kann“, berichtet sie.

Olga Tape

Olga Tape | Foto: Gerald Eggert

Der Verein „Reavita“ kümmert sich vor allem um Kranken- und Waisenhäuser und Behinderteneinrichtungen und Dörfer, in denen es keine medizinische Versorgung gibt. Vielen Menschen fehle das Geld, um eine medizinische Behandlung zu bezahlen. Das betreffe vor allem Rentner, Geringverdiener und Familien mit vielen Kindern. „Es gibt in unserem Krankenhaus zwar genug engagierte Leute, die helfen, so gut sie können, doch vieles können sie nicht leisten, weil es kaum finanzielle Mittel für dringend benötigte Anschaffungen gibt“, so Olga Tape.

Aus Halberstadt kommt nun erneut Hilfe in die 341 839 Einwohner zählende Stadt Cherson im Süden der Ukraine. „Beim letzten Mal haben wir unter anderem ein Ultraschallgerät mitgebracht. Den Empfängern standen wirklich die Tränen in den Augen“, versichert Tape, „denn damit können sie auch Leuten helfen, die nicht bezahlen können.“

„Beim ersten Anruf von Olga Tape haben wir sofort unsere Unterstützung zugesagt“, erinnert sich Ulrich Scholle. Denn es sei nun mal ein Notruf aus der Ukraine gewesen, der entsprechend dem Vereinsnamen ohnehin zur Hilfe verpflichte. So fuhr zuerst ein beladener Kleintransporter nach Cherson, später machte sich ein 7,5-Tonner mit Hilfsgütern auf den Weg.

„Olga war eine Woche unser Gast und hat in dieser Zeit zusammengestellt, was mit dem 40-Tonner transportiert werden soll.“ Es sei nicht wenig, was das Lager verlasse, so Scholle. Doch komme ihm diese „Räumung“ ganz gelegen. „Wir brauchen demnächst viel Platz, denn uns wurden größere Posten angekündigt, die verstaut werden wollen“, so der Vereinsvorsitzende. Er betont, dass das Krankenhaus in Sambir, zu dem seit Jahren Kontakt besteht, weiterhin im Fokus aller Bemühungen stehen werde, und freut sich, dass beim nächsten Transport 2016 eine komplette Küche für das Krankenhaus mitgenommen werden kann. „Das Küchenpersonal hat sich bisher mit seinen Wünschen zurückgehalten. Ihm war die Ausstattung mit Mobiliar und medizinischen Geräten wichtiger“, sagt Scholle und erinnert daran, dass die Halberstädter bei ihren Besuchen sehr wohl festgestellt hätten, dass auch in der Krankenhausküche großer Mangel an einfachen Dingen herrscht.

In der vergangenen Woche hatten die Halberstädter erst wieder Besuch aus Sambir und ihm bereits signalisiert, was sie beim nächsten Mal mitbringen werden. Die Freude über diese Ankündigung sei sehr groß gewesen.

Auch Olga Tape kann ihre Freude nicht verbergen: „Ich bin so froh, solch tolle Partner gefunden zu haben. Ich werde ihnen berichten, wie all diese wertvollen Dinge in Cherson in Empfang genommen wurden. Und ich sage schon jetzt allen Unterstützern ein großes Dankeschön im Namen der Empfänger.“

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